Challenge Roth – Patrick Denninger erfolgreich auf der Langdistanz unterwegs

Ironman Challenge Roth

Persönlicher Race-Bericht Challenge Roth 2026
Patrick Denninger

Challenge Roth 2026

Um 5 Uhr klingelt der Wecker. Frau und Kind schlafen noch, ich wälze mich aus dem Bett, schnappe meinen am Abend vorbereiteten Rucksack für die letzten Handgriffe in der Wechselzone und mache mich auf den kurzen Fußweg von dem Campingplatz zum Start.
Auf dem Weg, nach Plan, ca. 2h vor dem Start noch zwei Brötchen mit Honig verdrücken. Kurz bevor ich da bin fällt mir das erste Missgeschick des Tages auf: Die Flaschen mit meiner Verpflegung für die Radstrecke habe ich im Kühlschrank im Wohnmobil vergessen. Die wurden penibel am Abend vorbereitet. 105g Kohlenhydrate pro Stunde, Salz, Magnesium. Das macht in Summe ca. 580g Kohlenhydrate bzw. 2.300 kcal für die 180 km lange Radstrecke verteilt auf 2 Flaschen. Also nochmal zurück und noch rechtzeitig wieder da. Jetzt in der Wechselzone schnell das Fahrrad fertig vorbereiten. Reifendruck prüfen, Flaschen anbringen, Wassertank füllen usw. …
Während ich als nächste Energiezufuhr eine Banane esse, lese ich die nächste schlechte Nachricht. Die Wassertemperatur beträgt 25°C. Damit sind Neoprenanzüge verboten die durch ihren Auftrieb das Schwimmen deutlich vereinfachen und beschleunigen. Kurz vor dem Start das nächste Problem…die Batterie des Herzfrequenz Brustmessgurts ist schwach. Bei der Kontrolle am Vortag war noch alles ok. Naja was solls, alles nicht mehr zu ändern. Aber unter einem guten Stern scheint der Tag nicht zu stehen. Schnell noch ein Gel als drittes Frühstück direkt vor dem Start.
7:35 Uhr: Startschuss im Wasser. Auf gehts auf die 3,8 km lange Schwimmstrecke den Main-Donau Kanal rauf und wieder runter. Meine Zielzeit beträgt hierführ 1:02 h. Aufgrund des Neoprenverbotes habe ich mich davon aber schon verabschiedet. Irgendwas will aber beim Schwimmen nicht so richtig funktionieren. Ich fühle mich zwar nicht schlecht aber die Kraft scheint nicht im Wasser anzukommen. Wie als ob man gegen eine Strömung schwimmt. Meine Uhr zeigt 1:12h als ich aus dem Wasser steige. Ein herber psychischer Rückschlag. Meine eigentlich beste Disziplin läuft so dermaßen daneben. Ein Jahr zuvor bin ich die Strecke in 1:04 h geschwommen, vor einem Monat bei einer Mitteldistanz bin ich die Hälfte der Strecke in 30:30 min geschwommen. Ich kann nicht sagen was schief gelaufen ist aber die Motivation leidet massiv darunter.
Aber es muss weiter gehen. Ab durch die Wechselzone, aufs Rad und los geht es. Schon auf den ersten Metern merke ich „oh nein, müde Beine. Jetzt schon…das kann ja was werden“. Meine vorgenommenen Wattwerte auf dem Fahrrad kann ich drücken, aber es ist deutlich zu anstrengend im Vergleich zu dem wie es sein sollte. Nach nicht einmal 1km das nächste Unglück: Bei einer Bodenwelle springt eine der Versorgungsflaschen aus dem Flaschenhalter. Eben eine der beiden Flaschen mit den säuberlich abgewogenen Kohlenhydraten für die ich am Morgen extra nochmals zurück zum Campingplatz gelaufen bin. Weg ist sie, die Verpflegung für die 2. 90 km Radstrecke. Die nächsten Minuten auf dem Rad verbringe ich damit ausrzurechnen, wie ich den Verlust ausgleichen kann um in kein Defizit zu gelangen. Die errechnete Lösung ist eine Kombination aus der verbleibenden Flasche, Energieriegeln die ich zusätzlich dabei habe für Notfällle und Gels sowie Isogetränk von der Streckenverpflegung. Das sollte aufgehen und tut es am Ende des Tages auch glücklicherweise.
Auf der Radstrecke ist es sehr windig. Der Wind kommt von vorne und bremst oder von der Seite und bläst einen fast um. Dank dieser Bremse passen die Geschwindigkeiten nicht zu den getretenen Wattwerten. Früh wird klar, dass ich mich von den erhofften 35km/h Durchschnittsgeschwindigkeit ebenfalls verabschieden kann. Gefühlt vom Unglück verfolgt rechne ich jeden Moment jetzt mit einem platten Reifen. Doch wenigstens das sollte mir erspart bleiben. Dann der Höhepunkt der Radstrecke in Roth: der Solarer Berg. In der Triathlonszene weithin als Highlight bekannt kann ich den Hype nun durchaus nachvollziehen. Tausende Menschen entlang der Strecke, am Anstieg verengt sich die Gasse zwischen den Zuschauern auf eine Fahrradbreite. Jubel, motivierende Sprüche, Radau von allen Seiten, von Groß und Klein. Das motiviert unglaublich und daher fährt vermutlich jeder diesen Anstieg härter als es die Rennstrategie eigentlich sagt. Ich freue mich schon auf die zweite Durchfahrt. Gegen Ende der ersten Runde wachen meine Beine gefühlt endlich auf. Es läuft besser, ich kann entspannt die Leistung treten die ich mir vorgenommen habe und an den Wind bin ich mittlerweile gewöhnt. Ein kleiner Dämpfer ist der kurzzeitig einsetzende Regen, der macht das Radfahren mit den dünnen Reifen anspruchsvoller und gefährlicher. Aber an so einem Tag ist das kein großes Übel mehr.
Nach 180km und guten 5 1/2 Stunden ist die Radstrecke geschafft. Zielzeit wieder um ca. 15 min verfehlt. Ich rolle weiter in die zweite Wechselzone und genieße dort den unglaublichen Service den alle Athleten bei der Challenge Roth erhalten. Das Rad wird einem sofort abgenommen, Helfer haben schon meinen Beutel parat und helfen beim Anziehen der Laufschuhe. Dementsprechend schnell ist der Wechsel und es geht auf die Laufstrecke.
Meine schwächste Disziplin und ich habe große Sorge, dass die Beine nicht mehr viel hergeben. Aber dann die positive Überraschung, es fühlt sich richtig gut an. Beim Laufen sind die Beine plötzlich frisch und locker. Bleibt die Sorge ob ich meine Frau bei den geplanten Verpflegungsstellen bei km 11 und 26 sehe, damit sie mir meine Gels anreichen kann. Im Training hat sich gezeigt, dass ich die Gels des Veranstalters nicht gut vertrage und ich setze daher auf Eigenverpflegung.  Auch das klappt gut! Das hebt die Stimmung und gibt Hoffnung, zum Schluss wenigstens einen guten Marathon zu laufen.Diese Hoffnung hält bis ca. km 16 als die Beine anfangen nachzulassen. Es wird schwieriger. Ab km 30 wird es ein Kampf gegen den eigenen Körper und die Geschwindigkeit sinkt immer weiter. Ich verabschiede mich von der Hoffnung auf einen guten Marathon und damit endgültig von meiner erhofften Gesamtzielzeit von 10h 30min. Wenigstens noch den Marathon unter 4h! Aber die Geschwindigkeit geht weiter zurück, ich habe keine Lust mehr auf die Gels aber brauche dringend die Nährstoffe. Es muss sein, hoffentlich macht die Verdauung das alles mit. Ich fange an bei den Verpflegungsstellen zu gehen. Am Ende überrascht mich die Strecke noch mit einem massiven Anstieg… schlechte Vorbereitung. Das hätte ich mir vorher genauer anschauen müssen. Im Streckenprofil hatte ich die Steigung nicht so extrem wahrgenommen.
Der 4h Marathon ist nicht mehr zu halten. Neues Ziel: Insgesamt unter 11h bleiben. Das wird leider auch schon knapp. Das ist auch das letzte Ziel das mir bleibt. Letztes Jahr habe ich die Triathlon Langdistanz in 11h 35min beendet. Dieses Jahr wollte ich mich deutlich steigern. Es wird immer härter. Die Füße schmerzen, der Körper will nicht mehr. Immerhin, der Kreislauf ist stabil und ich habe es unter Kontrolle. Ich habe mir ausgerechnet wie schnell ich mindestens laufen muss um unter den 11h zu bleiben. Das kann ich durch den Schmerz durchdrücken. Ich weiß wenn ich jetzt nachlasse und über 11h lande bereue ich es. Wie sagt ein Schild der Zuschauer am Straßenrand: “ Schmerz vergeht, Stolz bleibt“. Die letzten 2km wollen nicht enden. Noch ein Kurve, dann biege ich ins Staion ein. Auf die letzten Meter gebe ich nochmal Gas, dann bin ich durchs Ziel! Endlich! Nach 4:04h für den Mararhon bzw. 10h und 55min Schwimmen Radfahren und Laufen ist der Tag für mich geschafft.
Für die Medaille kann ich mich noch auf den Beinen halten, dann muss ich mich setzen.
Ich bin am Ende zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist nicht das was ich am Morgen wollte und spiegelt nicht die Leistung wieder die ich in den Trainings gebracht habe. Aber es gibt eben auch diese Tage an denen der Körper nicht so will und so ist es eben im Triathlon…wenn so einen Tag auf den Wettkmapf fällt kann man nichts machen. Dann heißt es trotzdem kämpfen und das beste rausholen. Das habe ich getan und für diesen Tag waren die Sub 11h für mich ein klasse Ergebnis.
Herzlichen Glückwunsch für die tolle Leistung und den schönen Erlebnisbericht, Patrick … und gute Erholung!!
(Fotos: Patrick Denninger)
2026-07-08T13:24:13+02:008. Juli 2026|Allgemein|
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