Norseman 2010

Am Samstag, den 7.August 2010 war es endlich soweit. Pünktlich um 5Uhr morgens blies die Autofähre Melderskin zum Start des diesjährigen Norseman. Rund 230 Athleten, davon 31 Frauen, starteten zum wohl längsten Triathlon-Tag des Jahres. 3,8km Schwimmen im 17 Grad kalten Eidfjord, 180km Radfahren hoch auf die Hochebene Hardangarvidda und über weitere vier Berge mit abschließendem Marathon hoch auf den Gipfel des 1883m hohen Mount Gaustatoppen.
Fünf Tage zuvor war ich mit Familie angereist und verbrachte eine sehr angenehm ruhige Woche im idyllischen 500Seelen-Dorf
Eidfjord. Meine größte Sorge in der Vorbereitung auf den „härtesten Ironman der Welt“, das kalte Wasser im Fjord, war nach einem ersten Test-Schwimmen förmlich weggespült: Zwar salzig, doch nicht zu arg; zwar kalt, aber doch erträglich. Am Renntag ging es mit der Fähre raus auf den Fjord. GPS-gestützt fand sie den exakten Startpunkt. Dann dauerte es gute zehn Minuten bis alle über die geöffnete Auffahrt der Fähre hinunter in den kalten Fjord gesprungen waren und sich an der mit Kajaks markierten Startlinie einfanden.
Doch dafür taten sich andere Sorgen auf. Am Mittwoch fuhren wir die Radstrecke mit ihren 3000Hm Steigung ab und auch die Marathonstrecke wurde inspiziert. Es stellte sich schnell heraus, dass die norwegischen Berge selbst für einen gebürtigen Schwarzwälder eine wahre Herausforderung sein können. Nach 10km Einrollen im Tal ging es bis Radkilometer 40 durch mehrere Tunnel auf das 1000m hoch liegende Hochplateau
Hardangervidda.

Bis Kilometer 95 ging es hier leicht wellig und schließlich auch bergab nach Geilo. Von dort aus verließen wir die E7 und hielten uns weiterhin südlich. Vier mal „bratte bakker“, steile Anstiege, hieß es zu überwinden. Die ersten drei jeweils um die drei Kilometer lang mit über 1000Hm in der Summe. Der vierte Anstieg raubte dann die letzten Kraftreserven. Hoch nach Imingfjell hieß es auf sechs Kilometern eine Durchschnittssteigung von 10% zu bewältigen. Oben blies ein eisiger Wind und erst als es dann nach weiteren fünf Kilometern wieder runterging, konnte wirklich durchgeatmet werden.

In der folgenden Abfahrt ist mir dann bei 60km/h der Vorderreifen geplatzt. Das ganze ging jedoch glimpflich aus. Nach einem Schlauchwechsel rollte ich die letzten 25km in die zweite Wechselzone. Jetzt nur noch den Marathon!

Norseman 2010Die erste Hälfte der Laufstrecke führt entlang einem See und verläuft recht unspektakulär. Wir laufen auf einer Hauptverkehrsstraße, auf der aber in Norwegen nicht allzu viel los ist; bis man bei Kilometer 25 nach einer Linkskurve dann plötzlich den Gaustatoppen vor sich sieht, den Gipfel in den Wolken. Da durchfährt es einen schon einmal eiskalt.

Auf den letzten 17Kilometern gilt es also über 1800 Höhenmeter zu bezwingen um an der Gipfelstation den härtesten Ironman der Welt zu finishen. Nun denn! Die ersten 12 Kilometer verlaufen entlang der Bergstraße in Richtung Tuddal. Durchschnittliche Steigung, wie gehabt, 10 Prozent.

Die letzten fünf Kilometer sind dann nochmal ein Schmankerl der besonderen Art. Nur in Zweier-Teams mit einem Betreuer und einem Rucksack auf wird man auf den schmalen Felspfad, der zum Gipfel führt, gelassen. Eine Strecke die einen Laufschritt nur noch in einzelnen, kurzen Passagen zulässt. Schier unendlich wirken diese letzten 5000 Meter. Oben angekommen herrscht ein eisiger Wind. Schnell werden einem eine Wolldecke und eine warme Suppe gereicht. So verrückt es klingen mag, doch kaum ist man oben – man will wieder runter. Für die Freude, diesen Mammut-Wettkampf gestemmt zu haben bleibt vorerst nur wenig Platz. Zu groß ist die Erschöpfung. Der Wind und die Kälte tun ihr übriges dazu.

Zielgipfel

Mit einer Bergbahn aus den 50er Jahren geht es dann für die Athleten hinunter; der Betreuer muss laufen. Zu gering sind die Kapazitäten der Bahn. Überhaupt dürfen nur die ersten 160 der gestarteten 235 Athleten hoch auf den Gipfel; die Bergbahn kann schlichtweg nicht mehr nach unten bringen.

Am nächsten Morgen erhalten wir alle unser hart verdientes Finisher-Shirt. Die, die den Gipfel erreicht haben, das Schwarze, die, die auf halber Höhe ihren Marathon beenden mussten, das Weiße – immerhin haben sie den zweithärtesten Ironman der Welt absolviert. Ich realisiere langsam was ich da gestern alles geleistet hab und freu mich mehr und mehr über meinen 17. Gesamtplatz als bester Deutscher. 12Stunden und 33Minuten hat alles gedauert. Der Sieger kommt aus Norwegen und heißt Henrik Oftedal. Er gewann in brutal starken 10:59:57h. Erst zum zweiten Mal blieb der Sieger damit unter der 11h-Marke. Es waren Athleten aus 23 Nationen am Start.

 

Florian Dunst